…wusstet ihr, dass Peru das drittgrößte Land mit Kokainanbau ist? Kokain wird aus der Kokapflanze hergestellt und aus den Blättern wird Tee gemacht. Den trinken wir hier literweise. Danach ist die Welt immer so schön bunt…;-))). Nee – im Ernst jetzt. Kokatee hat nichts mit Drogen zu tun. Der wird hier getrunken, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Echt lecker.

Der Bericht des Tages stammt heute von Hans-Jürgen:

Irgendwie fühle ich mich in unserer Truppe gut aufgehoben. In Summe geht uns alles gut von der Hand – wenn man nicht unbedingt deutsche Maßstäbe als Grundlage nimmt. Vor allem würde so manche Krankenschwester ernsthafte Probleme mit den Hygieneplänen hier bekommen, aber für ein lauwarmes tägliches Duschbad langt es völlig. Achim umsorgt uns wie eine Mutter. Es fehlt nicht an Kaffee, Tee und anderen guten Dingen, die uns aufmuntern. Im Grunde ist die Gemeinschaft wirklich großartig. Wir erkennen, wie wir uns als ein Team Ziele stecken können und gemeinsam das erreichen, was wir einzeln manchmal trotz größten Anstrengungen nicht erreichen (können). Inzwischen ist die Cafeteria mit Holz verkleidet, Sanitäreinrichtungen wurden ergänzt, Fenster in einer Größe von 2 x 2,40m sind bereits eingesetzt und vor allem mit einer Fensterbank versehen (handmade by Jost) – eben typisch deutsche Wertarbeit – und unsere eigentliche Aufgabe, das Dach, bekommt sichtbar eine Form. Im Übrigen finde ich das Essen hier grundsätzlich ausreichend und gut. Reis, Kartoffel und Gemüse gibt es in allen Varianten. Obst ist ebenfalls reichlich vorhanden und – wer es mag – darf sich morgens noch an kalten Haferschleim ergötzen. Doch das sind alles so kleine Unwägbarkeiten, die man eben in Kauf nimmt – andere Länder, andere Sitten.

Nebenbei bemerkt, die geistliche Gemeinschaft kommt keineswegs zu kurz. Martin hat sich über das Buch Josua eine Menge Arbeit gemacht und thematisch einige Dinge aufbereitet, die als Denkanstöße für mich sehr wertvoll sind. Und selbst, wenn dem einen oder andren von uns die Gedankengänge bekannt sein sollten, ist es überaus wertvoll, noch einmal daran erinnert zu werden.

Da wir sehr nahe am Äquator sind, ist die Abenddämmerung auch recht kurz. Als ich vor etwa einer Viertelstunde mit diesem Blog begonnen habe, war es draußen noch recht hell – wir kamen vom Speisesaal – inzwischen ist die Dämmerung doch schon weiter fortgeschritten. Über die Anden ziehen vom Osten her Nebelschleier, die die ganzen Gipfel umhüllen und auf mich wirken, als würde man gekühlten Stickstoff über die Bergkämme gießen.

Ansonsten erinnert mich die Gegend eher an Italien. Auch dort wurde zunächst einmal ein Rohbau errichtet, der dann bewohnbar gemacht wurde und dann je nach vorhandenen Vermögen weiter aufgestockt wurde. Die Landschaft an sich ist gut mit den Voralpen zu vergleichen: einzelne Hügel, die aber schon eine gewisse Steilheit haben. Die Höhe hier ist für mich spürbar, wenn ich einige Treppen zu steigen habe. Wir legen so im Schnitt am Tag etwa 600 Stufen Wegs zurück. Da meldet sich schon einmal das Herz. Doch dreimal tief Luft geholt und etwas langsamer und das Leben geht weiter.

So, jetzt gestattet mit bitte, dass ich mit den anderen noch etwas Gemeinschaft pflegen möchte und nehmt ganz herzliche Grüße aus Cajamarca.

Liebe Grüße
Hans-Jürgen

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