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In dgdev

Ich sage: das ist mein Teil, o HERR,
dass ich deine Worte befolge.
Ich flehe von ganzem Herzen um deine Gunst:
Sei mir gnädig nach deiner Verheißung!
(Psalm 119,57-58)

Das sind die Worte einer zufriedenen Seele. Zu sagen „Das ist mein Teil, o HERR“ bedeutet, dass die Seele ruhig darüber ist, was Gott gegeben und verheißen hat. Der Psalmist war zufrieden mit dem Teil, den er bekommen hatte, und dieser Teil war der HERR selbst. Unter den Juden früher, war der Stamm Levi der, der kein materielles Erbe bekommen hatte. Sie waren besondere Diener Gottes, und der Herr selbst war ihr Erbe, ihr Anteil. Genauso hier: der Psalmist hat Gott und damit alles.

Man kann das im größeren Zusammenhang von Psalm 119 besser verstehen. Der HERR selbst bedeutet Zufriedenheit für den Psalmisten, denn Gott kam zu ihm durch Sein Wort. Es war nicht so, als ob Gottes Wort an einem Ort war und der Psalmist an einen anderen Ort gehen musste um die Zufriedenheit in Gott zu finden. Er kann sagen: „Du bist mein Teil, o HERR, und ich habe diesen Teil bekommen, weil Du mir in Deinem Wort begegnest und ich das lebe.“

Wenn die Seele zufrieden ist, sprechen uns weniger wichtige Dinge nicht mehr an. Thomas Brooks – zitiert in Spurgeon – sagte, dass wir jeder Versuchung erwidern können: „Der Herr ist mein Teil.“ Wenn Gott nicht genug ist, was ist es dann?

In dem Zustand der zufriedenen Seele, sagt der Psalmist weiter: „dass ich deine Worte befolge.“ Wir nehmen den Herrn als unseren Teil, aber auch als unseren König. Diese Verheißung wäre ein leeres Versprechen ohne die Kraft Gottes in unseren Leben. Die enge Verbindung zu Gott, durch die wir Ihn als Teil empfangen, lässt uns auch Seine Wort befolgen.

Daher konnte der Psalmist sagen: „Ich flehe von ganzem Herzen um deine Gunst: Sei mir gnädig nach deiner Verheißung!“ Er hatte beides verstanden: die Notwendigkeit Gott zu suchen und zu erbitten, und die Unfähigkeit dies wirklich zu tun.

Der Gedanke hinter dem Wort „Deine Gunst“ meint wörtlich „Dein Gesicht“. Sich an dem Gesicht Gottes zu erfreuen bedeutet Seine Gunst zu erfahren. Der Psalmist erklärt hier, dass er Gottes Gesicht gesucht hat. Er suchte eifrig nach Gottes Gesicht (wie wir an den Worten „von ganzem Herzen“ sehen können).

Sein Suchen beinhaltete auch eine Art von Unfähigkeit. Das sehen wir an den Worten „Sei mir gnädig“. Egal wie eifrig der Psalmist nach Gott suchte und danach, Ihm zu gefallen, er brauchte immer Gnade. Also betete er: „Sei mir gnädig nach deiner Verheißung!“ Dies ist ein herrlicher, offensichtlicher (aber nicht wirklicher) Widerspruch. Die Bitte um Gnade basiert niemals auf einem Recht oder einem Verdienst, aber der Psalmist redet hier so, als ob man Gnade nach einer Verheißung in Gottes Wort erwarten könne.

Wir haben kein natürliches Recht auf Gnade, doch nach Gottes Verheißung haben diejenigen ein geistliches Recht auf Gnade, die Seiner Verheißung entsprechend darum bitten. Empfange diese Gnade, sei Gott ganz nah und habe eine zufriedenen Seele.

Von David Guzik

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