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In dgdev

„Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus, denn Furcht hat mit Strafe zu tun; wer sich nun fürchtet, ist nicht vollkommen geworden in der Liebe.“ (1. Johannes 4,18)

Wovor hast du Angst? Es scheint nicht viele Leute zu geben, die vor Gott Angst haben. Es gibt hier und da einige Wenige, aber viele Menschen glauben, dass Gott ihnen nur eine große Belohnung schuldet. Manche sagen sogar, dass, wenn sie in den Himmel kommen, sie einige Fragen an Gott haben und Er ihnen Einiges erklären muss.

Das war nicht immer so. Es gab eine Zeit, in der sich die Menschen ihrer Probleme mit Sünde sehr bewusst waren. Die Leute glaubten an Sünde und Hölle und Gericht. Martin Luther – wahrscheinlich der einflussreichste Mann der letzten tausend Jahre – glaubte daran. Als junger Mann entwickelte er sich zu einem der größten juristischen Köpfe Europas. Und genau darum kam er zu dem Entschluss, der Welt abzuschwören und ein Augustinischer Mönch zu werden. Luther war aufgewühlt, denn er wusste, dass Gott der große Richter und ein gerechter Vollstrecker Seines heiligen Gesetzes ist. Wie konnte dann irgendjemand im Gericht des Allmächtigen auf einen Freispruch hoffen? Luther war fast schon besessen von seinem Gefühl von Schuld. Durch seine juristische Ausbildung war ihm der Unterschied zwischen Schuld und Unschuld ganz klar bewusst, und er wusste ohne Zweifel, dass er schuldig war, absolut schuldig, denn er hatte das heilige und reine Gesetz Gottes gebrochen.

Für Martin Luther war Sünde keine leichtes Thema. Manche Leute glaubten, dass Luther verrückt war. Sie meinten, er solle nicht alles so schwer nehmen. Aber Luther konnte das nicht. Seine Ausbildung hatte ihn zu einem Mann gemacht, der das Verbrechen der Rebellion gegen Gott nicht auf die leichte Schulter nehmen konnte. Luther wusste, dass Seine Schulden der Sünde gegen Gott immens groß waren, und er tat alles mögliche, um diese Schuld zurückzuzahlen.

Luther lernte den Frieden in der Liebe Gottes kennen, der ihm einen Weg bereitete um vor Gottes Gericht gerecht sein zu können. Gottes Liebe schickte Gott den Sohn, Jesus Christus, um den Preis zu zahlen, den unsere Sünde verdient hat, und um uns Seine vollkommene Gerechtigkeit zu geben. Luther kam an den Punkt, von dem Johannes hier schreibt: zu einer „Keine-Furcht“-Beziehung zu Gott.

„Furcht ist nicht in der Liebe.“ Das vollkommene Werk von Gottes Liebe bedeutet, dass wir uns nicht in Furcht verstecken vor Gott, aus Angst vor Seinem Gericht, weder jetzt noch am Tag des Gerichts. Wir wissen, dass alles Gericht, das wir verdienen – vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges – auf Jesus Christus am Kreuz ausgegossen wurde.

Aber was ist mit so vielen anderen Stellen des Alten und Neuen Testament (so wie Prediger 12,13 und 1. Petrus 2,17), die uns sagen, wir sollen Gott fürchten? Die Furcht, über die Johannes hier schreibt, ist nicht die angemessene Ehrfurcht, die wir alle vor Gott haben sollten, sondern die Art Furcht, die „mit Strafe zu tun“ hat – diese quälende Art von Furcht, die unserer Seele alle Freude und Zuversicht raubt. Sie ist das Gegenteil von „Freimütigkeit am Tag des Gerichts“.

Wenn unsere Beziehung zu Gott sich durch diese quälende Furcht auszeichnet, zeigt das, dass wir noch nicht vollkommen – das heißt vollendet und reif – geworden sind in Seiner Liebe.

Wenn du vor Gott nicht in der Gerechtigkeit von Jesus von Nazareth stehst, dann hast du allen Grund dich zu fürchten. Dein Gutsein wird niemals reichen. Aber wenn du darauf vertraust, wer Jesus ist und was Er für dich getan hat, dann brauchst du wirklich keine Angst zu haben – denn du kennst die vollkommene Liebe Gottes.

Von David Guzik

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