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In dgdev

Ich habe Recht und Gerechtigkeit geübt;
überlaß mich nicht meinen Bedrückern!
Tritt als Bürge ein zum Besten für deinen Knecht,
dass mich die Frechen nicht unterdrücken.
(Psalm 119,121-122)

Stolz kann man leicht erkennen – bei anderen. Es ist nicht leicht, ihn in uns selbst zu sehen. Doch wenn wir bei anderen Stolz sehen, dann oft deshalb, weil wir mit diesen Leuten ein Problem haben. Das war auch bei dem Psalmisten in diesen Versen des Psalms 119 so.

Er begann, indem er sein eigenes Leben betrachtete: „Ich habe Recht und Gerechtigkeit geübt.“ Wie in anderen Teilen dieses Psalmes, behauptete er, nicht vollkommen und ohne Sünde zu sein. Er vertraute auf die allgemeine Gerechtigkeit in seinem Leben. Der Psalmist kannte sein Leben und das seiner Unterdrücker; er wusste, dass sein Leben gewidmet war und deren Leben nicht.

Man erkennt die Zuversicht in den eigenen geistlichen Zustand und die Trennung von denen, die Gott nicht nachfolgen. Der Psalmist wusste, dass sein Leben anders war als das Leben von denen, die Gott nicht nachfolgten. Der Unterschied lag in mehr als nur der Theologie; nämlich im Leben.

Darum konnte er beten: „Tritt als Bürge ein zum Besten für deinen Knecht.“ Der Psalmist bat Gott, ihn zu verteidigen und für ihn einzustehen. Nur dadurch, dass Gott ihn verteidigte, konnte er der Unterdrückung durch die Frechen entgehen.

Diese wunderbaren Worte: „Tritt als Bürge ein für deinen Knecht.“ bedeuten, dass er Gott bat, sich um seine Interessen und Probleme zu kümmern, und zwar so, als wären es Seine eigenen Probleme. Er wollte, dass die stolzen und frechen Leute, die ihm solche Schwierigkeiten machten, sahen, dass Gott auf seiner Seite war.

Das zeigt, dass die Behauptung, dass er Recht und Gerechtigkeit übte, nicht im absoluten Sinn gemeint war. Wenn er gemeint hätte, dass er immer alles recht und gerecht vor Gott gemacht hätte, dann würde er Ihn nicht bitten, als Bürge für ihn einzutreten – aber das tat er. Auch wenn er aufrichtig war, wusste er trotzdem, dass er ein Sünder vor Gott war, und zwar ein solcher Sünder, dass Gott sein Bürge sein musste. Er konnte nicht für sich selbst einstehen; er brauchte Gott dafür.

Der Psalmist schrie zu Gott wie Hiob es tat: „Verbürge dich selbst für mich“ (Hiob 17,3). Der Psalmist betete, dass Gott das für ihn sein möge, was Jesus für Seine Kinder ist – ein Bürge des Bundes, eine Garantie für Gottes Verheißungen (Hebräer 7,22).

Das galt für den Psalmisten in seinen Schwierigkeiten, aber es gilt auch für uns in einem sogar größeren geistlichen Sinn. Die stolzeste Kreatur aller Zeiten ist der Teufel, der Vater des Stolzes; und wir würden durch diesen stolzen Anschuldiger zermalmt werden, wenn nicht der Herr Jesus sich zwischen uns und unseren geistlichen Feind gestellt hätte und unsere Verheißung auf einen besseren Bund geworden wäre.

Er schließt diesen kurzen Abschnitt, indem er bittet: „dass die Frechen mich nicht unterdrücken.“ Dieser Vers (Psalm 119,122) ist einer der wenigen Verse, die Gottes Wort nicht erwähnen. Vielleicht ist es Ausdruck der großen mentalen und emotionalen Qual, die die Stolzen dem Psalmisten zufügten. Für einen Moment – und zum Glück nur für einen Moment – scheinen seine Auge von der Bibel abzuschweifen und sich seinen Peinigern zuzuwenden.

Egal wie stark deine Widersacher sind, lass nicht zu, dass sich deine Augen von Gott und Seinem Wort abwenden.

Von David Guzik

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