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Meine Seele verlangt nach deiner Hilfe:
ich hoffe auf dein Wort.
Meine Augen verlangen nach deiner Verheißung
und fragen: Wann wirst du mich trösten?
(Psalm 119,81-82)

Die Psalmen zeigen auf eine schöne Art, wie jemand eindringlich und verzweifelt nach Gott sucht. Man sieht das an dem Satz: „Meine Seele verlangt nach deiner Hilfe.“ Seine Seele verzehrt sich nach Gott und wartet auf die Erlösung, nämlich auf Gottes Erlösung, und sonst nichts.

Das Wort „verlangen“ beinhaltet den Gedanken von Verzehren. Es ist dasselbe Verb wie in Psalm 119,87, nur in einer anderen Form: „Sie hätten mich fast vertilgt auf Erden.“ Verlangen bedeutet einen Verlust von Kraft; einen Kollaps. Hier fühlte der Psalmist, dass seine Seele schwach war, so sehr, dass er nicht in der Lage war zu stehen. Doch er war nicht verzweifelt, denn er sagte zu Gott, dass er auf Sein Wort hoffte.

Diese Art von Verzweiflung ohne jedoch aufzugeben ist den Nachfolgern Gottes bekannt. Der Apostel Paulus bezog sich in 2. Korinther 4,8-9 darauf: „Wir werden überall bedrängt, aber nicht erdrückt; wir kommen in Verlegenheit, aber nicht in Verzweiflung; wir werden verfolgt aber nicht verlassen; wir werden niedergeworfen, aber wir kommen nicht um.“ Alles in allem konnte Paulus sagen: „wir haben denselben Geist des Glaubens“ (2. Korinther 4,13).

Darum konnte er sagen: „Ich hoffe auf dein Wort.“ Im Gegensatz zu der Schwäche und dem Versagen fand der Psalmist Hoffnung und Kraft in Gottes Wort. Das ist das Ausharren der Hoffnung von dem das Neue Testament spricht (1. Thessalonicher 1,3) und die Hoffnung der Errettung als schützender Helm (1. Thessalonicher 5,8).

Einfach gesagt: er weigerte sich, der Verzweiflung Raum zu geben. Verzweiflung ist eigentlich nur eine verdrehte Form von Stolz. Wenn jemand an der Macht Gottes ihn erretten zu können zweifelt oder sich selbst der Sünde hingibt, weil er daran zweifelt, dass Gottes Kraft in seinem Leben wirkt, dann ist das ein Beispiel dafür, wie sich jemand gegen Gott wendet. Wer sind wir, dass wir sagen könnten, es gibt keine Hoffnung für uns, wenn Gott verspricht, dass es sie gibt?

Der Psalmist sagt uns, wo er Hoffnung fand: „Meine Augen verlangen nach deiner Verheißung.“ Das zeigt uns, wie eifrig der Psalmist Gottes Wort las und studierte. Er studierte so viel, dass seine Augen weh taten. Ein Grund für seine Liebe zu Gottes Wort war, dass er eben so intensiv lernte. Gottes Wort zeigt uns in dem Maß seine Schätze, wie wir danach suchen.

Als er die Schrift durchforschte, suchte er nach Trost: „Wann wirst du mich trösten?“ Darum suchte der Psalmist so eifrig. Er wollte Trost finden in seinem gegenwärtigen Leid. Diese Art von persönlicher Not ist und bleibt eine größere Motivation für intensives Studieren als theologische Neugier.

Möglicherweise sehnen sich einige, die dies lesen, nach dem Trost Gottes und stellen dieselbe Frage: „Wann wirst du mich trösten?“ Der Psalmist wusste, dass in Gottes Wort und den Verheißungen darin Trost liegt. Doch manchmal gibt uns Gottes Wort auch praktische Antworten auf die Frage: „Wann wirst du mich trösten?“ In seiner Predigt mit dem Titel: „Gottes Zeit für Trost“ versuchte Spurgeon solche praktischen Antworten zu finden:

  • wir werden getröstet, wenn wir den Unglauben ablegen
  • wir werden getröstet, wenn wir aufhören uns zu beschweren
  • wir werden getröstet, wenn mit der Sünde, die wir tolerieren, aufhören
  • wir werden getröstet, wenn wir die Pflichten, die wir vernachlässigen, erfüllen

Lass zu, dass Gottes Wort dich tröstet.

Von David Guzik

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