Wie alles anfing

1984 tourte eine kleine US-amerikanische Band durch Europa. Es war die Zeit, als christliche Rockmusik von den USA herüber schwappte und zu heftigen Diskussionen unter den Christen führte. Diese Diskussionen standen für Nick Long, Mitglied der Band, völlig im Hintergrund. Für ihn war die Hauptsache, dass die Band und er mit ihrer Musik junge Menschen, die mit der Religion ihrer Eltern abgeschlossen hatten, erreichte und sie für ihren Glauben und ihre Botschaft interessieren konnte. Auf die erste sechsmonatige Tour folgten zwei weitere Reisen 1986 und 1987.

Bei Nick wurde der Wunsch immer stärker, in Deutschland zu leben. Das Siegerland kristallisierte sich dabei deutlich heraus. Bei den Konzerten hier waren viele Nichtchristen angesprochen worden. Ihnen fiel es jedoch schwer, sich den traditionellen Kirchen bzw. Freikirchen anzuschließen. Zurück in den USA erhielt Nick viele Briefe von Leuten, die mehr über die Bibel wissen wollten, aber frustriert waren, weil sie niemanden finden konnten, der ihnen dabei half.

Hinzu kam, dass bei dem letzten Konzert 1987 mehr als 200 junge Leute von der Botschaft angesprochen worden waren. Für Nick wurde es ein Anliegen, diese jungen, neuen Christen nicht sich selbst zu überlassen. Er entschied sich, mit seiner Familie nach Siegen zu ziehen, um dort für Jesus zu arbeiten.

Nach ersten zaghaften Anfängen im Park am Oberen Schloss zog die kleine Gruppe um ins Wohnzimmer der Familie Long. Davor geschah die ersten neun Monate „nichts“: das Team um Familie Long betete für die Stadt und dafür, dass Gott ihnen zeigen möge, was sie tun und wie sie das angehen sollten. Nach der Hauskreisatmosphäre wurden schon bald die ersten „richtigen“ Gemeinderäume angemietet – im ehemaligen alten Siegener Bahnhofsgebäude über Eisdiele und Billigladen. Von der wörtlichen Übersetzung „Morgensternmission“ für die kleine Gruppe verabschiedete man sich bald und seitdem ist die Gemeinde als „Calvary Chapel Siegen“ bekannt.

Die erste Calvary Chapel wurde 1965 in Kalifornien in den USA von Chuck Smith angefangen. Er begann, die Bibel Vers für Vers zu lehren. In seinen Gottesdienst kamen zahlreiche Hippies aus der Flower Power Bewegung und Leute von der Straße, mit denen sich die traditionellen Kirchen und Gemeinden nicht befassen wollten. Aus diesen Anfängen entstanden bis heute mehr als 1.500 Tochtergemeinden in 51 Ländern.

In Deutschland gibt es derzeit 21 Calvary Chapels.

www.calvarychapel.com

Was „Calvary Chapel“ bedeutet

„Calvary“ kommt von dem lateinischen Wort „calvariae“, hebräisch „golgota“, was übersetzt „Schädel“ bedeutet. Im Englischen ist es der gängige Ausdruck für Golgatha, den Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde.
„Chapel“ ist ebenfalls ein englischer Begriff und stammt von „capella“, was übersetzt „Versammlungsraum“ heißt.

Wie es in Siegen weiterging

Als das alte Bahnhofsgebäude abgerissen wurde und Platz machte für das neue Runkel-Haus, zog die noch junge Gemeinde in die Frankfurter Straße 21 um, ein ehemaliges Teppichlager. Die Gemeinde war im doppelten Sinne des Wortes jung: der Altersdurchschnitt entsprach so ziemlich dem einer Jugendgruppe. Das änderte sich in der Frankfurter Straße: immer mehr junge Familien, aber auch ältere Menschen kamen dazu. Bald wurde eine zweite Etage für den entstandenen Kindergottesdienst dazu gemietet und eine eigene Jugendgruppe entstand.

Immer mehr Menschen besuchten die Calvary Chapel. Zum Teil kamen (und kommen) sie aus anderen Gemeinden und Kirchen, zum Teil sind sie in der Calvary Chapel zum Glauben gekommen. Heute kommen Menschen nicht nur aus dem unmittelbaren Umkreis Siegens, sondern zum Teil von weit her.

Das Gebäude in der Frankfurter Straße wurde mit der Zeit zu klein; außerdem sollte es einem Supermarkt mit dazugehörigen Parkplätzen weichen. So zog die Gemeinde auf das jetzige Gelände in Eiserfeld, das aus einem Altbau für den Kindergottesdienst und Büros und dem neugebauten Gemeindesaal und der Coffeebar mit Büchertisch besteht.

Durch das vergleichsweise immer noch sehr junge Durchschnittsalter gibt es eine relativ hohe Fluktuation der Gäste und Gemeindezugehörigen. Viele sind für ein paar Jahre Teil der Gemeinde und wechseln dann aufgrund eines Umzugs, Studiums oder anderen Gründen in andere Gemeinden. Für alle Menschen, die zu uns kommen, ist es unser Wunsch, ihnen zu helfen, fester im Wort Gottes verwurzelt und zu Hause zu sein und eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus zu leben.

Im Laufe der Jahre wuchs nicht nur die Zahl der Menschen in der Gemeinde, sondern auch die Zahl der Dienste. Manche Dienste wurden auch wieder aufgegeben. Immer stand und steht im Vordergrund, uns dabei vom Geist Gottes leiten zu lassen. Dabei sind wir gemeinsam als Gemeinde und Freunde durch Höhen und Tiefen gegangen und haben dabei immer Gottes Gnade, Gunst und Führung erlebt.

Seit Mai 2012 wurde die Leitung unserer Gemeinde in die Hände von Pastor Alexander Kruse übergeben.