Heute schreibt der Zimmernachbar vom Berichterstatter des Vortags.

Nach der ersten Arbeitswoche lässt sich der süßlich markante Duft, der den Männern anhaftet, nicht mehr ignorieren. In der Fantasie scheint sich der Geruch zu verfestigen und bei jedem Schritt als feiner Staub von den Arbeitshosen der Arbeiter zu rieseln. Spinnen und sonstige heimische Fauna macht auch ein Bogen um die Schar aus Siegen; eine Ausnahme bildet allenfalls eine Gruppe geflügelter Plagegeister, die das mitgebrachte Antibrumm als Lockmittel missversteht. Höchste Zeit, eine Entscheidung bekanntzugeben. Am Abend sollen die Textilien eingezogen und einer Wäscherei übergeben werden.

Vorher steht jedoch noch ein anspruchsvolles Programm vor dem Team: Der Elektriker-Trupp legt weiter eifrig Kabel – geerdet werden muss das neue Elektrizitätsnetz am Fuße des Rinjani. Anschließend werden die ausgehobenen Gräben für die „Zweiadrigen mit Zusatzader“ verfüllt.

Die vom üppigen Regen in Mitleidenschaft gezogenen Räume des Familienhauses werden nach Grundierung weiter gestrichen. Was nicht deckt, wird eben deckend gemacht. Das Haus erscheint nunmehr bald bewohnbar. Gedanklich sieht sich der stinkende Autor schon in der Badewanne des als Stauraum umfunktionierten Sanitärbereichs. Auch die anderen Gewerke arbeiten weiter. Es zeichnet sich schon der Anbau deutlich ab. Eine Dachkonstruktion steht bereits. Ein Regen lässt die Außenarbeiter unters Stroh flüchten. Auch die Jungs vom Innenausbau lassen sich vom Kaffee „einbremsen“. Eigentlich könnte man sich den Waschsalon für die Kleidung sparen. Es bedarf nur eines Schrittes. Doch bevor nun dieser flüchtige Gedanke in die Tat umgesetzt werden kann, ist sie wieder da: die indonesische Sonne; heiß und die Wiese vor den Hütten in eine leicht dampfende Fläche zu verwandelnd. Die Arbeiten schreiten dann rasch voran.

„Wann kommen die Holzplatten“ ist der Satz des Nachmittags. Zwei Stunden würde es noch dauern, heißt es selbstversichernd, und Stunde um Stunde verrinnt wie der Sand im oberen Glaskolben eines Zeitmessers vergangener Tage. Doch anders als beim Abendessen am Tag der Ankunft, bleibt die Lieferung des „letzten Gangs“ der Materialbeschaffung aus. Das stinkt den Männern mehr als die Kleidung an den schwitzig-feuchten Leibern.

So,  endet nun der Tag mit der Abgabe der Arbeitswäsche; was hier für Aufatmen sorgt, dürfte im nahen Ort für Kopfschütteln sorgen. Mit frischer Ausrüstung erwartet die Gruppe auf der Insel Lombok dann – nach dem freien Sonntag – den nächsten Einsatz; mehr jedoch das Wiedersehen mit den Familien in genau einer Woche plus sieben Stunden.

Viele Grüße vom Christian Stoffers